Der Wendepunkt

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Illustration: Eine Frau mit langen Locken steht von hinten an einer Weggabelung im Weinberg. Ein Wegweiser zeigt nach links „Rebell", nach rechts „Analyse".

Im Frühjahr 2011 geriet meine Welt innerhalb von nur acht Wochen völlig aus den Fugen. Zweimal musste ich um das Leben meiner Töchter bangen.

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Erst kämpfte meine Große mit einer schweren Lungenentzündung, dann überlebte meine zweite Tochter nur knapp ihre Geburt. Kurz darauf hörte sie auf zu atmen und erlitt eine schwere Hirnblutung. Niemand konnte mir sagen, ob sie überleben würde.

Diese Angst, das Liebste auf der Welt zu verlieren, verändert einen für immer.

Knapp zwei Jahre später erhielt ich die Diagnose Typ-1-Diabetes. Ich kämpfte mich durch den Alltag – mal wütend, mal rebellisch, mal resigniert.

Doch der wahre Wendepunkt kam 2016 mit meiner Trennung. Der Kontakt der Kinder zum Vater brach schlagartig ab und plötzlich trug ich die alleinige Verantwortung für zwei kleine Mädchen (4 und 7 Jahre).

Es war niemand mehr im Haus, der mir im Notfall bei einer schweren Hypoglykämie (Unterzuckerung) helfen könnte. Sollte ich ihnen wirklich zeigen, wie sie mir bei Bewusstlosigkeit die Notfallspritze geben?

Da saßen sie nun – zwei kleine Seelen, deren Welt gerade völlig durcheinander war und ich ihr einziger Halt. Aber ihnen diese emotionale Last aufzubürden, auch mich verlieren zu können?

Nein. Ich wusste nur zu gut, wie sich diese unbeschreibliche Angst anfühlt. Meine Kinder hatten bereits genug verloren. Ich wollte ihnen nicht auch noch die Angst zumuten, ihre Mama verlieren zu können.

Ab diesem Moment konnte ich nicht mehr gegen den Diabetes rebellieren. Ich durfte ihn nicht mehr ignorieren, sondern musste ihm immer einen Schritt voraus sein. Mein eigener Experte werden, meinen Körper verstehen und Wege finden, mein Leben so sicher wie möglich im Griff zu haben.

Aus diesem stillen Versprechen an meine Töchter und dem Wunsch nach Sicherheit entstand Jahre später das Projekt Diabakus.